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Projekte
: Grundstein zum Geburtstag
Veröffentlicht am Donnerstag 15 Juli 2004 08:42:03 von pawel
Halle/MZ.
Eigentlich sollte es nur ein Spiel werden, eine Inszenierung an den Rändern der Wirklichkeit. Mit solchen Versuchs-Anordnungen hatte der Hallenser Ralf Wendt einst beim legendären "Freiwild"-Festival beste Erfahrungen gesammelt. Auch sein neuer Kreativ-Partner Marold Langer-Philippsen aus Berlin war - vor allem nach einer für das Thalia-Theater arrangierten Straßenbahn-Reise durch die Biografie des Sinti-Jungen Muscha Müller - vor Ort kein Unbekannter. Doch als sie schließlich im März ihren Stand in der Passage von Halle-Neustadt aufbauten, wurde aus dem Experiment schnell Ernst - und das Spiel änderte eigenmächtig die Regeln. Als die beiden Künstler nämlich einen Schirm aufspannten, der ihre gemeinsame Firma als "Ghetto AG" auswies, schien jede weitere Werbung überflüssig. Zu schmerzlich stach das Wort in die Wunde, die im Selbstbewusstsein vieler Neustädter klafft. Und als sie dann einen sehr ernst gemeinten Fragebogen verteilten, der die Visionen der Passanten für ihre Stadt abforderte, war Interesse garantiert.
Denn alle künstlerischen Eingriffe, die der Plattenstadt in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Aufmerksamkeit bescherten, haben ein grundsätzliches Problem: Ralf Wendt sieht bereits in ihrem Ansatz das Eingeständnis, dass die von Leerstand und von radikal veränderter Bevölkerungsstruktur betroffene Kommune eine besondere Behandlung braucht. Aber damit würden die Künstler zu Ärzten, die ihrem Patienten unter Umständen die Krankheit erst einreden.
Wendt und Langer-Philippsen hingegen haben zunächst einmal gefragt, wie die Stadt sich fühlt - und was die Einwohner ihr für die Zukunft wünschen. Dass sie dies im Vorfeld des Gründungs-Jubiläums taten, das sich am Donnerstag zum 40. Male jährt, lässt die Präsentation der Ergebnisse nun zur Geburtstags-Feier werden. Am Freitag werden sie der Stadt in den besten Jahren gratulieren - und am Rande der langen Fest-Tafel, die sie in der Passage aufstellen wollen, auch über deren Perspektiven diskutieren.
Dabei werden gewiss auch jene Probleme zur Sprache kommen, die den beiden Realitäts-Forschern in ihren Gesprächen immer wieder begegneten. So habe, sagt Langer-Philippsen, die Neustadt ihr Gesicht durch den starken Zuzug vor allem von russischsprachigen und kurdischen Einwanderern bereits verändert. Die öffentlichen Plätze würden mit Leben erfüllt - und erschienen im Umkehrschluss vielen angestammten Neustädtern als gefährliches Terrain. Gleichzeitig würden sich viele Einwohner mehr Orte der Begegnung wünschen - und eine andere Wahrnehmung ihrer Stadt in der Öffentlichkeit.
Denn während sich die Außen-Darstellung der Neustadt nach der Wende vom modernen Quartier zur tristen Beton-Wüste gewandelt habe, sei die Stadt für viele ihrer Bewohner weiter durchaus lebenswert. Da sie jedoch mit Problemen zu kämpfen habe, die sich von denen der Nachbarstadt Halle grundsätzlich unterscheiden, wünschten sich viele Neustädter eine eigene Verwaltung. Das Modell der Hausgemeinschaft, das zu DDR-Zeiten vielfach die Anonymität milderte, habe wegen der Fluktuation ebenfalls ausgedient - und müsse durch neue Formen ersetzt werden.
Auch darum geht es am Freitag bei der Geburtstagsfeier, zu der alle Interessenten eingeladen sind. Und deshalb wird es nicht nur eine Präsentation der Umfrage-Ergebnisse geben, die Langer-Philippsen und Wendt auch Halles Stadträten vorstellen wollen. Zudem wollen die beiden Künstler den Grundstein für einen Briefkasten legen, in dem die Neustädter künftig ihre Sorgen und Wünsche deponieren können. Nicht als Endlager - sondern als Forum für eine Zukunft, deren Chancen nicht nur im Abriss liegen.
Geburtstagsfeier am Freitag ab 13 Uhr, Passage Neustadt
Lesen Sie den Originalartikel der MZ, geschrieben von Andreas Hillger: Bitte hier klicken!
Wendt und Langer-Philippsen hingegen haben zunächst einmal gefragt, wie die Stadt sich fühlt - und was die Einwohner ihr für die Zukunft wünschen. Dass sie dies im Vorfeld des Gründungs-Jubiläums taten, das sich am Donnerstag zum 40. Male jährt, lässt die Präsentation der Ergebnisse nun zur Geburtstags-Feier werden. Am Freitag werden sie der Stadt in den besten Jahren gratulieren - und am Rande der langen Fest-Tafel, die sie in der Passage aufstellen wollen, auch über deren Perspektiven diskutieren.
Dabei werden gewiss auch jene Probleme zur Sprache kommen, die den beiden Realitäts-Forschern in ihren Gesprächen immer wieder begegneten. So habe, sagt Langer-Philippsen, die Neustadt ihr Gesicht durch den starken Zuzug vor allem von russischsprachigen und kurdischen Einwanderern bereits verändert. Die öffentlichen Plätze würden mit Leben erfüllt - und erschienen im Umkehrschluss vielen angestammten Neustädtern als gefährliches Terrain. Gleichzeitig würden sich viele Einwohner mehr Orte der Begegnung wünschen - und eine andere Wahrnehmung ihrer Stadt in der Öffentlichkeit.
Denn während sich die Außen-Darstellung der Neustadt nach der Wende vom modernen Quartier zur tristen Beton-Wüste gewandelt habe, sei die Stadt für viele ihrer Bewohner weiter durchaus lebenswert. Da sie jedoch mit Problemen zu kämpfen habe, die sich von denen der Nachbarstadt Halle grundsätzlich unterscheiden, wünschten sich viele Neustädter eine eigene Verwaltung. Das Modell der Hausgemeinschaft, das zu DDR-Zeiten vielfach die Anonymität milderte, habe wegen der Fluktuation ebenfalls ausgedient - und müsse durch neue Formen ersetzt werden.
Auch darum geht es am Freitag bei der Geburtstagsfeier, zu der alle Interessenten eingeladen sind. Und deshalb wird es nicht nur eine Präsentation der Umfrage-Ergebnisse geben, die Langer-Philippsen und Wendt auch Halles Stadträten vorstellen wollen. Zudem wollen die beiden Künstler den Grundstein für einen Briefkasten legen, in dem die Neustädter künftig ihre Sorgen und Wünsche deponieren können. Nicht als Endlager - sondern als Forum für eine Zukunft, deren Chancen nicht nur im Abriss liegen.
Geburtstagsfeier am Freitag ab 13 Uhr, Passage Neustadt
Lesen Sie den Originalartikel der MZ, geschrieben von Andreas Hillger: Bitte hier klicken!

