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Fernost macht die Party

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Veröffentlicht am Freitag 25 Februar 2005 19:50:24 von pawel
news.gifHalle/MZ. Michaela Goldenberg aus Halle-NeustadtIn vier Jahren will Michael Goldenberg ein eigenes Unternehmen haben. Eine Diskothek, eine Musik-Gaststätte schwebt ihm vor, auf alle Fälle eine Mischung aus Gastronomie und Party. Der 17-jährige Schüler der Kooperativen Gesamtschule "Wilhelm von Humboldt" in Neustadt weiß, wovon er redet: Seit rund drei Jahren ist das, womit er später Geld verdienen will, sein Hobby.

Erst organisierte er Schulfeste wie "Humboldt rockt", dann richtete er mit anderen Jugendlichen im Projekt "Hotel Neustadt" in einem der Scheiben-Hochhäuser eine Bar ein. Und weil das so viel Spaß machte und Erfolg hatte, wurde ein Veranstaltungs-Service gegründet. Was sich bieder anhört, aber gar nicht ist, sondern Party pur. Acht Jugendliche, künftige Abiturienten und Azubis, bieten von den Räumlichkeiten über Musik, Technik, Essen und Trinken alles an, was man braucht, um zu feiern.

Freilich nicht zu Hause im Wohnzimmer, sondern eher in Sälen. Bis jetzt hat "Fernost", so der mehrdeutige Name des Partyservices, Veranstaltungen mit bis zu 200 Jugendlichen in Halle organisiert. In diesem Jahr, so der ehrgeizige Plan, sollen Events für 1 000 Partygänger auf die Beine gestellt werden. Immer unter dem Motto: spannend, schräg und so groß wie möglich.

Michael Goldenberg brennt für die Schüler-Initiative, die keinen Gewinn erwirtschaftet und als Träger den New Chance Verein hat. Als Chef sieht er sich nicht so gern, lieber ist ihm die Bezeichnung Koordinationsleiter. Drei bis vier Stunden am Tag und jedes Wochenende arbeitet Michael für die "Firma" mit Sitz in der Humboldt-Schule. Die "Fernost"-Mitglieder, Jungen wie Mädchen, teilen sich die Arbeit - Werbung, Technik, Konzepte, jeder hat seine Aufgabe.

Doch jetzt zieht sich Michael etwas zurück. "Die Schule hat leicht gelitten in der letzten Zeit", erzählt er. Das müsse ausgebügelt werden. Denn das Abitur wolle er auf jeden Fall machen. Die Reißleine haben nicht Eltern oder Lehrer gezogen, sondern er selbst. So viel Vernunft ist bei aller Begeisterung da. Seine Eltern, der Vater ist Musikwissenschaftler und Pianist, lassen ihm alle Freiräume, "weil sie wissen, dass sie sich auf mich verlassen können". Längst vom Tisch sind auch seine Überlegungen, mit der Schule aufzuhören und schon jetzt mit einer eigenen Firma Geld zu verdienen.

Es ist ja nicht nur der reine Party-Service, der Michaels Zeit in Anspruch nimmt. Der junge Mann engagiert sich noch in anderen Projekten. So in jenem, in dem Schülern und Jugendlichen Einblicke in Berufe wie Ton- und Lichttechniker, Koch oder Manager gegeben werden - mit viel eigener Erfahrung. Außerdem werden andere Jugendgruppen unterstützt. Und bald soll eine mehrtägige Fahrt für Schüler nach Auschwitz angeboten werden. "Dort erzählen wir über das Konzentrationslager, haben schon eine erste Dokumentation gedreht", sagt Michael. Von Jugendlichen für Jugendliche - das, so ist er überzeugt, kommt an.

Die eigenen Grenzen testen, sich ausprobieren, aus Fehlern lernen, im Team arbeiten, Chef sein, - Michael geht in seinem Hobby auf: "Wenn andere Leute Spaß haben, war unsere Arbeit in Ordnung." Nur einmal wollte er fast aufgeben, als die ganze teure Technik, von Fördergeld bezahlt, gestohlen wurde. "Wir hatten so hart für den Aufbau gearbeitet, und dann dieser Rückschlag", erinnert sich Michael. Der zweite Start war schwieriger ohne Zuschüsse. Aber er ist gelungen.

Lesen Sie den Originalarikel von Heidi Pohle in der MZ.
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