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Zweites Leben als Geschenk

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Veröffentlicht am Samstag 18 Juni 2005 19:02:04 von pawel
news.gifHalle/MZ.
Eine junge Frau wird im Januar dieses Jahres unter einer Straßenbahn eingeklemmt: Beckenbruch, Lungenriss, Leberriss. Die Ärzte haben wenig Hoffnung. Doch ein Wunder geschieht: Fünf Monate später ist sie fast geheilt - und dankbar für das zweite Leben. Ärzte und Schwestern des Universitätsklinikums Halle sind glücklich: Mirjam Schwan steht vor ihnen. Schlank, schön, fröhlich - und fast völlig gesund. Die junge Frau nimmt es als Geschenk. "Manchmal denke ich, Gott hätte mich auch sterben lassen können, aber er hat wohl noch etwas vor mit mir."

Am 26. Januar dieses Jahres macht sich Mirjam Schwan auf den Weg zu ihrer Gesangslehrerin. Sie betritt die Straße, eine Bahn kommt. Was dann passiert, weiß sie nur aus Erzählungen. "Ich kann mich an nichts erinnern." Den Rettern, die zu dem schweren Unfall in Halles Stadtteil Neustadt gerufen werden, bietet sich ein grauenhaftes Bild: Der Körper der damals 28-Jährigen ist zwischen Bordstein, Wagen und Gleis eingeklemmt.

Die Verletzungen sind sehr schwer. "Die Ärzte haben meinen Eltern wenig Hoffnung gemacht." Mutter und Vater, Bekannte und Freunde leben lange zwischen Hoffen und Bangen. Aber das Wunder geschieht. Die Ärzte vollbringen es, und Gott hat nach Auffassung der überzeugten Baptistin seine Hand schützend über sie gehalten. "Ich sehe es als absolute Bewahrung und bin sehr dankbar."

In den folgenden Monaten sieht Mirjam Schwan vor allem eines - Krankenhäuser von innen. Schließlich wird sie in eine Reha-Klinikverlegt. "Dort habe ich in eigener Regie den Rollstuhl geschoben, habe immer wieder geübt, Treppen zu steigen." Denn sie wollte nur noch eines: nach Hause. "Trotz hervorragender Betreuung hatte ich allmählich einen Klinik-Koller."

Das Zuhause ist für die jetzt 29-Jährige zwar seit 1993 das bayerische Garmisch-Partenkirchen, aber so lange die Genesung noch andauert, wohnt sie bei ihren Eltern in Halle-Neustadt. Auch im Januar war sie dort zu Besuch - und ahnte nicht, was geschehen würde. Das ist gut so, meint sie. Auch vor der Zukunft hat sie keine Angst: "Was immer mir das Leben bringen wird: Ich will es annehmen."

Freilich: Pläne hat sie viele, möchte bald wieder als Kinderkrankenschwester arbeiten. Und eines Tages vielleicht auf einer Bühne stehen und singen. Denn neben ihrem Beruf ist sie Gaststudentin an der Münchner Universität. "Es war immer mein Traum, Sängerin zu werden." Da mussten sich die Ärzte nicht wundern, fügt sie an, "dass ich zuerst gefragt habe, ob die Stimmbänder heil gelieben sind".

Lesen Sie hier den Originalartikel von Martina Springer