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: Rückblick auf die Stadtteilkonferenz

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Veröffentlicht am Freitag 20 Mai 2005 20:11:18 von pawel
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Zum dritten Mal hatte Halles Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler die Neustädter Bürger am Dienstag, dem 17. Mai 2005, zu einer Stadtteilkonferenz eingeladen.

„Wir nehmen aus diesen Konferenzen immer viel für unsere Arbeit mit“, betonte die Oberbürgermeisterin. Inzwischen haben die Stadtteilkonferenzen ihr Gesicht verändert. Einen großen Raum nehmen jetzt Informationen zum Geschehen in der Stadt und zur Stadtentwicklung ein, so auch dieses Mal. Gerade deshalb verwunderte es, dass doch relativ wenige Bürgerinnen und Bürger – gemessen an der Zahl der Einwohner in diesem Stadtgebiet –vom Gesprächsangebot des halleschen Stadtoberhauptes Gebrauch machten. Knapp die Hälfte der Plätze im „Kulturtreff“ war besetzt. Enttäuscht zeigte sich die OB auch davon, dass sich die Vereine und Initiativen des Stadtteils nicht vorbereitend eingebracht haben. Dabei gab es wieder reichlich Diskussionsstoff. Bevor es in die Diskussion ging über das, was die Neustädter bewegt, zog OB Häußler kurz Bilanz über das, was sich seit der Stadtteilkonferenz am 25. Februar 2003 getan hat.
Jugendtreff oder Disco?
Stimmt es, dass auf dem Terrain der ehemaligen Fröbelschule eine Disco entsteht, fragte ein Bewohner der Zerbster Straße. Für die Anwohner und das dort liegende Seniorenzentrum sei die vorprogrammierte Lärmbelästigung unzumutbar. Die Senioren hätten schließlich ihre Ruhe und ihren Frieden verdient. 80 Prozent der Anwohner seien alte Menschen. Als einige Besucher Beifall klatschten, reagierte die Oberbürgermeisterin betroffen: „Das wird keine Disco, sondern der Jugendtreff des ,Schnatterinchen’ siedelt hierher um. Ihr Beifall bedrückt mich. Neustadt wird für junge Familien immer unattraktiver, wenn wir nicht auch für Kinder und Jugendliche etwas bieten. Solche Diskussionen machen mich krank. Wer, wenn nicht die Jugend, sorgt für die Zukunft unserer Stadt? Wir müssen die entsprechenden Anreize schaffen, damit man sich hier wohl fühlt, kommt und bleibt! Natürlich sollen sich auch die Senioren wohl fühlen. Es muss einfach ein vernünftiges Konzept her. Klare Absprachen können helfen, damit es ein gutes Miteinander und Verständnis und gegenseitige Akzeptanz gibt.“
Gerade Neustadt sei gekennzeichnet durch das Zusammenleben verschiedener Generationen. Es war schon immer ein familienfreundlicher Stadtteil, in dem Jung und Alt gemeinsam leben können. Der Cliquentreff „Schnatterinchen“ ist ein Stützpunkt, in dem Kinder und Jugendliche alternative, soziale und interkulturelle Verhaltensmuster testen, entwickeln und schließlich sich selbst aneignen können. Die Cliquenräume sind durch die Jugendlichen selbstverwaltet. Parallel dazu haben die Sozialarbeiterinnen den Auftrag, die Jugendlichen, die vorrangig verhaltensaufällig sind, zu beraten und zu begleiten sowie gleichzeitig zu fördern. Es gibt klare Regeln, die von den Jugendlichen einzuhalten sind. Dazu gehört auch, Konflikte mit dem Wohnumfeld zu vermeiden und, sollten sie doch auftreten, zu bearbeiten.
Der neue Standort (Fröbelschule) hat Vorteile. Die Einpassung in das städtische Wohnumfeld ist hier günstiger als im Wohnumfeld in der Hettstedter Straße. Die nächstgelegene Wohnbebauung am Standort Fröbelschule ist wesentlich weiter entfernt. Probleme mit dem Wohnumfeld könnten geringer werden als am Standort Hettstedter Straße. An der Hettstedter Straße ist auch mit umfangreichen Schallschutzmaßnahmen eine Beeinträchtigung der Nachbarn nicht auszuschließen. Das Grundstück der Fröbelschule ist wesentlich größer als das der Hettstedter Straße und kann daher von den Jugendlichen und Anwohnern für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Das Projekt „Schnatterinchen“ ist im Sanierungsgebiet Urban 21 (Halle-Neustadt) das einzige bauliche Projekt, welches die Förderung der Chancengleichheit und sozialen Eingliederung zum Ziel hat. Diese soziale Komponente ist Fördervoraussetzung im Rahmen des Programms Urban 21.

Passagen-Sanierung
Kritisch äußerten sich Bürger über die Notwendigkeit des Neubaus der Neustädter Passage. Angezweifelt wird der schlechte bauliche Zustand. Die Galerie sei nicht marode gewesen. Josef Weber vom Fachbereich Stadtentwicklung und -planung erläuterte, das sich bei den Bauarbeiten der befürchtete marode Zustand der Stützpfeiler und Treppen bestätigt habe. Mit der Sanierung sei man einer notwendigen Sperrung zuvorgekommen.
Vieles sprachen die Neustädter noch an – so die „Sorgen-Kinder“ Hochhaus-Scheiben, den Zustand der Stadteingangsbereiche, die Freiflächengestaltung am Gastronom, vor allem das nicht ungefährliche Holzdeck, Schulschließungen, die Garagenkomplexe, die Sperrmüllentsorgung und die Straßenreinigung, die Grünflächenpflege, fehlende Parkplätze am Bad Angersdorfer Teiche oder die Zukunft des Neustädter Stadions.
Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler rief die Neustädter auf, sich weiter aktiv für ihren Stadtteil einzusetzen und sich in Interessengruppen für die einzelnen Gebiete zusammenzufinden.

Im informativen Teil der Veranstaltung erläuterte Katrin Westphal vom Thalia Theater Anliegen und Events der Internationalen Sommerschule Halle-Neustadt 2005, die vom 9. September bis 2. Oktober im Zentrum des Stadtgebietes stattfindet. Vorbereitet und durchgeführt wird diese Sommerschule gemeinsam vom Thalia Theater, von der Stiftung Bauhaus Dessau und der Internationalen Bauausstellung (IBA). Ziel der Schule sind eine urbane und kulturelle Aufwertung des Stadtquartiers Neustadt, temporäre Bildungsangebote, Wissensvermittlung zu vielfältigen Themen sowie ein ungewöhnlicher und spannender Stundenplan. Als Veranstaltungsorte dienen zum Beispiel leerstehende Wohnräume, der S-Bahnhof und der Bahnsteig sowie der Neustädter Platz zwischen den beiden S-Bahngebäuden. Vom 9. September bis 2. Oktober geht es im Zentrum Neustadts einmal um das Modul „beautyfoul Neustadt“ und zum anderen um das Thema „Neustaat Halle“. Bei ersterem organisieren die Bauhausstiftung und die IBA Workshops und Projekte, die Neustadt auf ihre Potenz zur Schönheit und Bedeutung für Halle hin untersuchen.
Mit theatralischen und künstlerischen Aktionen nehmen die Veranstalter beim Thema „Neustaat Halle“ die Rolle des Staates unter die Lupe. Dazu sind aus Schulen und Einrichtungen 40 Vorschläge zum Thema „Wie kann die Entwicklung beeinflusst werden?“ eingegangen. 14 davon wählten die Organisatoren nun für die Sommerschule aus. Als Bildungsangebote stehen interaktive Ausstellungen mit sinnlichen Erlebnissen, eine wissenschaftlich-künstlerische Zeitreise, eine interaktive Multimedia Werkstatt, Workshops, Theater, Rollenspiele auf dem Programm. Konzerte, Vorträge, Küche, Lounge, Vorlesungen usw. runden das Programm ab.

„Wir möchten, dass die Besucher mitreden und mitmachen“, wünschte sich Katrin Westphal. Darüber können sich Interessierte im Organisationsbüro im Moritzzwinger 8 kundig machen.

Die Arbeit des Stadtteilbüros Neustadt, das seit 2001/2002 vor Ort Ansprechpartner für die Bürger ist, stellte Quartiersmanagerin Jeannette Dorff vor. Dieses von der Stadt beauftragte Büro mit Sitz in der Neustädter Passage 10 übernimmt z. B. die Organisation von Bürgerbeteiligungen wie bei der Umgestaltung der Passage, setzt Förderprogramme für kleinere Projekte um und übernimmt beispielsweise die Projektentwicklung mit internen und externen Akteuren sowie die Koordinierung bei der Umsetzung z. B. des Netzwerkes Kultur. Ganz wichtig ist die Arbeit des Stadtteilbüros als Anlaufpunkt für die Neustädter. Hier erhält man Informationen und Erläuterungen zu Projekten, zum Stadtumbau, Informationen über Veranstaltungen oder wird an die richtigen Ansprechpartner vermittelt. Zudem ist hier die Redaktionssitzung für die durchschnittlich aller drei Monate erscheinenden „Neustädter Nachrichten“ ansässig. Im Jahr 2005 waren bis zum Monat April 511 Bürgerinnen und Bürger im Stadtteilbüro. Dabei finden wöchentlich drei Sprechtage statt. 103 Personen beschäftigte dabei der Umbau der Neustädter Passage. Hauptinteresse galt dabei dem neuen Aussehen, den Plänen dazu und dem Modell. 19 Bürger erkundigten sich nach der Zukunft der Hochhausscheiben in der Neustädter Passage und übten Kritik an deren Aussehen bzw. dass die Stadt nichts unternimmt, um den Zustand sofort zu verbessern. Zudem beschwerten sich Bürger über die Zustände verschiedener Gehwege (Zerbster Straße, An der Magistrale 111 bis 114, in der Palmenstraße/Feigenweg) und allgemein über Schmutz, Müll und Hundekot auf den öffentlichen Wegen. Sieben Bürger erkundigten sich über das Projekt Neustadt-Gärten. Hier wird kritisiert, dass die Planungen ohne die Bürger gemacht würden. Einige Bürger waren zum Thema Kletterturm im Stadtteilbüro und zum Thema Umbau am Gastronom. Gab es hier im vergangenen Jahr noch viel Kritik wegen der Wegeführung, der Entfernung von Beeten, dem Fällen von Bäumen und dem Bau eines Holzdecks, dessen Sinn sich nicht erschließt, ist es heute eine Strukturwand, die die Kinder als Fußballschusswand benutzen und damit sehr viel Lärm erzeugen. Ansonsten wird der Umbau jetzt als gelungen gesehen, besonders die vielen Bänke, nur dass sie aus Metall sind, welches im Winter kalt und im Sommer heiß ist, wird nicht verstanden. Kritikpunkte waren die geschlossenen Kitas, Schulen und Supermärkte, die vor sich „hingammeln“ und Schandflecke sind. Das betrifft auch den Tunnelbahnhof. Weitere allgemein angesprochene Punkte sind die vielen unschönen „Trinker-Treffpunkte“ an den öffentlichen Plätzen, der „Brand-Block“ gegenüber der Schwimmhalle. Alle angesprochenen Punkte fließen in die Arbeit der Stadtverwaltung sowie in die Arbeiten zur Stadtentwicklung der Neustadt ein.

Guido Schwarzendahl von der WG Leuna gab anschließend einen Überblick zum bisherigen Stand des Abrisses und allgemeine Planungen der Wohnungsgenossenschaften. „Es macht keine Wohnungsgesellschaft stolz, Wohnungen leer zu ziehen und abzureißen“, unterstrich er zuvor. „Wirtschaftliche Gründe zwingen uns einfach dazu. Vieles kann dadurch aber aufgewertet und attraktiver werden, so dass die Gesellschaften die Wohnungen wieder besser vermieten können.“ So hat die „Halle-Neustädter“ in diesem Jahr noch den Abbruch der Gellertstraße 52-56 geplant, im nächsten Jahr steht die Theodor-Storm-Straße 2-8 auf dem Programm. Die GWG hat nach dem Abriss des Myrtenweges unter anderen den des Lorbeerweges 1-3 vorgesehen. Häuser in der Traberstraße, An der Magistrale, am Lüneburger Bogen, in der Gellert- und Osnabrücker Straße folgen später. Von der WG Leuna sind Abbrüche unter anderem in der Osnabrücker Straße, Ringelnatz- und Borchertstrasse geplant. Die Planungen gehen vorerst bis 2007, da die Entwicklung längerfristig nicht vorhersehbar sei, betonte der Sprecher der Wohnungsgesellschaften. Mieter, die Fragen haben, sollten sich immer direkt an ihren Vermieter wenden. Dort erhalten sie konkrete Auskünfte. Lesen Sie auf den offiziellen Halleseiten den Originaltext.