
In Halle-Neustadt wird abgeräumt
Datum: Donnerstag 19 Juni 2003 13:19:27 Thema: Presseschau
titelte heute \"Die Welt\". Den Artikel können Sie hier nachlesen. Es folgt der Artikel: Insgesamt 12 000 ungenutzte Wohnungen sollen fallen - Leerstände drohen bis auf 30 Prozent zu steigen
Halle - Einst war es die Vorzeigestadt der DDR. Mit Halle-Neustadt, einer Zweit- und Zwillingsstadt vor den Toren des 1200 Jahre alten Halle/Saale, sollte der Typus der \"sozialistischen Stadt\", wie ihn Planer um den Frankfurter Stadtbaurat Ernst May schon Ende der 20er Jahre konzipiert hatten, modellartig realisiert werden. Gestern begann dort der Abriss leerstehender Wohnungen. ', 'Tausende Wohnungen für die Werktätigen der Kombinate im Chemiedreieck Leuna-Bitterfeld, kaserniert in genormten Gehäusen, staatsversorgt und überwacht - dieses Idealbild einer \"neuen Gesellschaft\" für den \"neuen Menschen\" sollte als Gegenmodell gegen die dem Verfall preisgegebene bürgerlich-feudale Altstadt glanzvoll auf die grüne Wiese gestellt werden.
Wie im Westen Deutschlands, wo May nach dem Krieg als Leiter der \"Neuen Heimat\", der größten Wohnungsbaugesellschaft der Welt, dieselbe städtebauliche Vision zu etablieren suchte, scheint nun die Endzeit der \"Massenmenschhaltung\" und \"Arbeiterschließfächer\" angebrochen. Mit dem Abriss des Zwölfgeschossers Azaleenstraße 52-55 (ehemals Block 201), der stückweise abgetragen wird, machte die städtische Wohnungsgesellschaft GWG Halle-Neustadt den Anfang. Versüßt wird ihr der Abbruch mit 750 000 Euro Fördermitteln. Allerdings soll keine Grünfläche, sondern ein viergeschossiges Seniorenstift entstehen, für das die Gesellschaft auch bereits einen Investor und Betreiber gefunden haben will.
Es ist nur ein Einstieg. In den beiden größten Plattenbausiedlungen der Stadt, Neustadt und Silberhöhe, stehen schon heute mindestens 9000 der 65 000 Wohnungen leer. Mit einem weiteren Anstieg des Wohnungsleerstandes auf zukünftig mindestens 30 Prozent ist nach den Worten von Oberbürgermeisterin Häußler zu rechnen. Deshalb sollen 12 000 Wohneinheiten in Großsiedlungen abgerissen werden, davon 5000 allein in Halle-Neustadt. Freilich hinkt die Bereitschaft der Wohnungsgesellschaften zum Handeln hinter der Konzeption hinterher. So sind in Neustadt erst für 2000 Wohnungen Abbruchanträge gestellt.
Trotz rückläufiger Bevölkerungsentwicklung will die Stadt dennoch an Neustadt als Wohnschwerpunkt festhalten. Von den insgesamt 237 000 Einwohnern der Stadt (1993: 303 000) leben hier noch 52 960. Wenn sie wohnen bleiben sollen, müssen Attraktivität und Image noch deutlich verbessert werden. Denn obwohl schon eine 500 Mio. Euro in die Aufwertung der Siedlung investiert worden sind, konnte die Abwanderung nicht gestoppt werden.
Finanziert aus Fördermitteln von Bund, Land und europäischer Gemeinschaft soll nun vor allem der öffentliche Raum im Bereich des Stadtteilzentrums und der Neustädter Passage erneuert werden. Parallel führt die Stadt Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern zur Beseitigung des Leerstands in den Gewerbebauten. Vier Hochhausscheiben und eine Kaufhalle im Stadtteilzentrum stehen leer. In die Scheibe C ziehen Landesbehörden ein. Für Scheibe A ist eine temporäre Nutzung als Kinder- und Jugendhotel angedacht. Im Stadtteilzentrum plant das Thalia Theater als städtischer Eigenbetrieb noch für diesen Herbst ein Kinder- und Jugendtheaterfestival. dg.
|
|